Blog von Claudia Maria Rowenna Steinmann

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Hüter des Drachenwissens


Der Hüter des Drachenwissens

Es war einmal ein Prinz, der eigentlich unglücklich in seiner Position war. Meist war er lustlos und eher depressiv und verkroch sich viel unter der Bettdecke. Da fühlte er sich wohl und musste keine Verantwortung tragen.

Eines Tages teilte ihm sein Vater, der König des „Landes über viele Meere“ mit, und es war eher ein Befehl, dass er sich nun verheiraten müsste, da er ja nicht gut alleine die Nachfolge des Thrones übernehmen könne. Auch hoffte der Vater, dass der Junge dann endlich zum Manne würde und sich seiner Aufgabe stellen würde.

Nun, wie es so bei Märchen ist, wird ein grosses Fest arrangiert, alle Jungfrauen von Nah und Fern eingeladen, die standesgemäss zu dem Junggesellen passen würden.
An diesem Feste hochgeschmückt und pompös wie es eines Könighauses würdig ist, trafen nach und nach alle Gäste ein. Der Junggeselle jedoch langweilte sich eher und konnte mit keiner der Damen so richtig in die Gänge kommen. So ergab es sich, dass er auf eine höchst merkwürdige junge Dame traf, die überhaupt nicht in das Schema eines Könighauses passte. Sie wirkte eher schrill, überdreht und lachte sehr laut. Sie lachte sogar den Prinzen wegen seinem schüchternen und zurückgezogenen Wesen aus. Wie es nun mal so kommen muss, scheint diese Dame das Pendant des Prinzen zu sein. Das knallige Gegenteil könnte man sogar sagen. Der Prinz, ohne dies zu wollen, verliebte sich in dieses Wesen und bald wurde geheiratet.

Nach vielen Jahren, der Vater hatte bereits abgedankt und der Prinz und seine Gemahlin regierten das ganze Königreich. Doch dem Prinzen, der nun König ist, langweilte das Leben immer noch. Er hatte mehrere Kinder mit seiner Frau, doch war immer unzufrieden. Etwas fehlte einfach in seinem Leben. Er wollte mehr. Vielleicht kennt ihr dieses Gefühl?
Dieses MEHR wollen, veranlasste ihn, seine Familie zu verlassen und auf die Suche zu gehen nach dem MEHR. Er sattelte sein Pferd und liess sich mit Proviant und genügend Goldtaler versorgen um einige Zeit über die Runden zu kommen. Er hatte in sich den Wunsch auszubrechen, seine verlorengegangene Stärke zu finden. Damals wusste er jedoch noch nicht, was er eigentlich suchte. Dies wurde ihm erst viel später bewusst, eigentlich erst als er es gefunden hatte.

So machte er sich auf den Weg. Er wollte den Drachen bezwingen. Er wollte zu einem wahren Manne werden, zu einem Helden, zu einer Grösse. Welchen Drachen gedachte er da wohl zu bezwingen? Ist es der Drache der Bequemlichkeit, Langeweile, der Unzufriedenheit, der Geringschätzung? Nun, wir werden es hoffentlich erfahren.

So zog er durch die Lande und sucht diesen Drachen, von dem niemand wusste, bis er im Walde einen alten Greis, der Holz sammelte traf und ihn intuitiv nach dem Weg zu der Höhle des Drachens fragte. Der alte Mann schien nicht überrascht zu sein, schelmisch schaute er mit seinen alten, doch klugen und leuchtenden Augen aus seiner Kapuze heraus und wies ihm den Weg ohne nach seinem Beweggrund zu fragen. Es schien, als ob der Mann genau wusste um was es ging. Vielleicht war er ja ein vom Himmel gesandter Bote? Der König schlug, den von ihm gewiesenen Weg ein und traf bald ein vor einer grossen Höhle. Da roch es schon komisch, was gut darauf hinweisen könnte, dass es wirklich die Höhle eines Drachens ist.
Er rief in das Loch hinein, dass der Drache doch bitte nach aussen treten möge. Nicht gerade ritterlich versteckte er sich hinter einem Baum und zitterte wie Espenlaub. Da ertönte ein starkes Grollen, wie riesige Fusstampfen, die die Erde erbeben liessen und Felsbrocken stürzten den Abhang des Berges herab in dessen Felsen sich die Höhle befand. Dann kam der riesige Kopf eines Drachens zum Vorschein. Mit seinen Augen grün wie funkelnde Smaragde schaute er umher um den Widersacher seiner Ruhestörung zu erspähen. Der König zitterte, nahm all seinen Mut zusammen und tratt aus seinem Versteck heraus. Der Drache stand fast haushoch vor ihm und schaute zu ihm hinunter. Da sackte der Drache in sich zusammen und fing an zu jammern. Er jammerte über seine alten Gelenke, die ihn fast nicht mehr tragen wollten. Das Laufen viel ihm schwer. Fliegen konnte er schon gar nicht mehr. So lag dieser Drache vor dem König und erzählte ihm sein Leid. Er erzählte ihm, dass er es satt sei weiterhin der Hüter des Drachenwissens zu sein. Er sei der letzte überlebende Drache und bald würde er auch sterben. Da sei es ihm gerade recht, dass er, der König nun endlich gekommen sei um ihm diese lang getragene Verantwortung zu übergeben.
„Verantwortung!“,sagte der König. „Welche Verantwortung denn?“ Er, der selbst am liebsten keine getragen hätte, sollte jetzt die Verantwortung, die der Drache bis jetzt getragen hatte, übernehmen. „Sag mir Drache, von welcher Verantwortung redest du?“ Der Drache erklärte ihm, dass er der Auserwählte sei und zwar der erste menschliche Auserwählte, viele andere würden ihm dann folgen, der die Hüterschaft des Drachenwissens übernehme. Da ja kein weiterer Drache auf der Erde existiert, scheint es logisch, dass dieses Wissen jetzt einem Menschen übertragen wird. „Ich“!, sagte oder schrie der König geradewegs, „wieso gerade ich“. „Wieso sollte ich fähig sein, dieses Wissen zu hüten und was bedeutet das überhaupt für mich und was ist das für ein Wissen?“

Der Drache war nicht überrascht über diese Reaktion. Kannte er doch die Menschen schon viel zu gut. Seit mehreren zehntausenden von Jahren hütete er dieses Wissen und er bekam jeden Gedanken und jedes Gefühl der Menschen mit. Er wusste, wie wenig sich die Menschen selbst wertschätzen und wie wenig sie auch die anderen wertzuschätzen wüssten. Es war ein Teufelskreis in dem die Menschen sich festgefahren hatten. Mit der Uebergabe des Drachenwissen erhoffte sich der weise, alte Drache, dass sich eine Richtungsänderung im Verhalten der Menschen ergeben würde.

„Nun sag mir endlich um was für Wissen und Verantwortung es geht“?. Der Drache erklärte ihm, dass er ihm das gesamte Wissen der Drachen, gespeichert über Äonen von Jahren übergeben würde. Es sei das Wissen über Macht und Ohnmacht, über Gut und Böse. Der König erschrak, denn er fühlte sich überhaupt nicht würdig und fähig dieses Amt zu übernehmen. Die Verantwortung schien ihm doch übermächtig zu sein. Der Drache beruhigte ihn und erklärte ihm, dass seine Seele sich diese Aufgabe auserwählt habe und dass er darum auch alle Fähigkeiten in sich trage um dieses Wissen für die Menschheit zu hüten. „Was bedeutet dies denn für mich?“, fragte der König geradewegs weinerlich, denn er spürte, dass er dieser Verantwortung nicht aus dem Wege gehen konnte. „Das bedeutet, dass du in diese Verantwortung hineinwachsen wirst“, sagte der Drache. „Genauso wie du nicht einfach Vater bist. Du wirst zu einem Vater. Die Aufgaben werden dich führen, das zu werden, was du bist“. „Und was ist, wenn ich etwas falsch mache?“, fragte der weinerliche König. „Dann wirst du die Lektion, die Erfahrung daraus beziehen und diese wird dich noch weiser machen“.
Dem König war ganz bange ums Herz und am liebsten wäre er geflüchtet, doch irgendetwas, ob es eine andere Macht war oder nicht, hielt ihn zurück. Er blieb wie erstarrt vor dem liegenden, erschöpften Drachen stehen.
„Was soll ich tun“?, fragte dann endlich der König. Der Drache erklärte ihm, dass er ihm eine goldene Kugel übergeben werde. Diese könne er in sein Herz integrieren und immer auf sie zurückgreifen, sobald er etwas zu wissen bräuchte. Der ehemalige Jüngling, nun König entschloss sich dazu einverstanden zu sein und wie aus Zauberhand liess der Drache aus seinem Herzen eine lichtvolle, strahlend goldene Kugel erscheinen und übergab diese dem König. Dieser liess die Kugel in sein Herz einfliessen, was zu seinem erstaunen ganz einfach ging und nicht einmal weh tat. Im Gegenteil, sein ganzer Brustkorb wurde erhellt und er fühlte sich überglücklich und voller Leichtigkeit und erfüllt mit Stärke. Die Angst, der Aufgabe nicht gewachsen zu sein, war verflogen. Voller Zuversicht lachte der König den Drachen an. Dieser erklärte ihm noch einige Details, warum nun die Zeit auch reif sei, dass die Menschen auf dieses Wissen wieder zurückgreifen können. Sie hätten nun alle Anteile von Licht und Schatten kennengelernt und ausbalanciert. Sie seien jetzt bald aufgestiegen zu den Göttern und werden darum mit diesem Wissen keinen Unfug mehr treiben. Bei dem Wort Unfug wurde es dem König wieder für einen Moment bange. Bilder schossen ihm durch den Kopf, in denen Menschen unterdrückt, manipuliert, ausgenutzt, versklavt wurden. Der Drache wusste genau und sah natürlich auch die Bilder, die dem König im Kopfe herum schwirrten. Dies darf nicht mehr geschehen, sagte der König. Beide nickten. Der Drache erklärte ihm, dass die bedingungslose, unpersönliche Liebe, die auch in seinem Herzen gespeichert sei, ihn führen würde. Dann fragte der Drache ihn noch ein letztes Mal, ob er noch Fragen hätte. Doch wie kann man Fragen haben über etwas, dass man gar nicht kennt? Der Drache wies ihn ein allerletztes Mal darauf hin, dass alle seine Fragen über die Kugel in seinem Herzen beantwortet würden. Er müsse die Fragen aber stellen. Ohne Frage keine Antwort.

Daraufhin löste sich der Drache in einen Schauerregen von goldenen Lichtfunken auf, die den König zuerst wie einen Wirbel umflogen um dann himmelwärts wie ein Kometfunke in den bereits eingedunkelten Himmel zu fliegen, um sich zwischen den Sternen einzubetten, wo er noch ein letztes Mal aufflackerte, um dem König zu zeigen, in welchem Sternbild er sich nun befände.

Der König noch ganz erstaunt und auch überrumpelt der Ereignisse, blieb noch lange gen Himmel starrend stehen. Fragen und Antworten überschütteten sein Denken. Er schien plötzlich alles zu verstehen. Er schien sein momentanes Leben und den Prozess darin zu verstehen. Er schien den Prozess der ganzen Menschheit und des Universums zu verstehen. Voller Dankbarkeit zog es ihn nach Hause, wo er seinen Thron als König wieder einnahm mit einer neuen Motivation, mit einem neuen Glück und Zufriedenheit in seinem Herzen, denn er wusste, dass er den Menschen nun wirklich etwas geben kann.
Er lebte und regierte noch viele Jahre...........



Seelenschreiben vom 6.1.12 by Rowenna

Kommentare zu diesem Artikel


Liebe claudia maria rowenna,
An anasha für dieses weise,seelenverbindende märchen. Ich werde es meinem shogun vorlesen...du schreibst wunderschön.....von herz zu herz, sandra myriel 13_danas
Liebe Sandra Myriel
Das freut mich aber, dass Dir die kleine Geschichte gefällt. Shogun sicherlich auch. Wie passend.
Alles Liebe
Rowenna